Zuchtwartbericht des SV der Giant Homer-Freunde 2021/22 

Liebe Giant Homer-Freunde,

in den letzten 2 Jahren gab es leider wenige Möglichkeiten, unsere Giant Homer auf Ausstellungen zu betrachten. In der Ausstellungssaison 2020/2021 fanden nahezu keine Ausstellungen statt. In der letzten Saison 2021/2022 konnten wir wenigstens unsere Sonderschau in Paaren und vor allem unsere Hauptsonderschau in Brachstedt durchführen. Was wir aber jedes Jahr geschafft haben, ist – unser Giant-Wochenende mit Jungtierbesprechung und Jahreshauptversammlung durchzuführen. Dies ist eurem Engagement zu verdanken und zeigt, dass ihr mit Enthusiasmus dabei seid und unseren SV mit Aktivitäten füllt.

Unsere Hauptsonderschau haben wir wieder in Eigenregie in Brachstedt durchgeführt. Die erschwerten Bedingungen im Vorfeld und während der Schau taten der Begeisterung keinen Abbruch. Unser neuer Ausstellungsleiter hatte alles bestens im Griff. Marcel, danke für deinen Einsatz bei der Organisation unserer HSS, aber auch für die Verköstigung zum Züchterabend.

Nach einem Jahr ohne HSS war es eine sehr schöne Veranstaltung mit vielen neuen Eindrücken. Einen detaillierten Schauberichtet findet ihr hier in einem gesonderten Beitrag.

Rassemerkmale

Bei der Beurteilung der Giant Homer legen wir zuerst Wert auf einen ausgewogenen, harmonischen Gesamteindruck, bei dem nicht einzelne Rassemerkmale besonders herausstechen, sondern das Zusammenspiel aller Teile zueinander am besten ausgeprägt ist. Keine Probleme bereitet das Körpervolumen. Ob etwas mehr oder weniger, sollte nicht die entscheidende Rolle spielen. Wichtig ist ein keiliger Körper mit auffallender Brust- und Schulterbreite und einer deutlichen Verjüngung zum Schwanz hin. Die Brust muss gut vorgewölbt sein, aber auch die Unterbrust muss gut ausgeprägt sein. Bei letzterem gibt es teilweise noch Nachholbedarf. Ist die Unterbrust zu dürftig ausgeprägt, fehlt meist auch die Körpertiefe. Diese ist oft bereits am Flügelschild zu erkennen. Ist dieses gut gerundet, passt auch die Tiefe des Körpers. Ist das Schild zu schmal, fehlt in den meisten Fällen auch die Körpertiefe. Die Rückenlinie verläuft flach und leicht abfallend. Die Schwanzpartie sollte der Rücklinie im besten Fall nahezu folgen und nicht zu lang sein. Oft sehen wir noch Rassevertreter, die eine zu angezogene Schwanzpartie aufweisen. Gut zur Geltung sollte der mittelhohe Stand kommen. Hierfür ist ein gut anliegendes Gefieder der Schenkel und des Keils notwendig. Die Flügel sollen straff am Körper anliegen und den Rücken gut abdecken. Bei der HSS hat man gesehen, dass es dabei noch viel Aufholbedarf gibt. Teilweise wirkt der Stand etwas tief, weil die Federn in diesem Bereich zu locker sind. Der Hals sollte breit aus den Schultern hervortreten. In diesem Punkt gibt es noch jede Menge Verbesserungspotential. Dazu ist eine gut gefüllte Brust für die vordere Halslinie notwendig. Die hintere Halslinie sollte sich im Ansatz relativ weit hinten befinden. Ist der Hals breit genug aufgesetzt, ist auch kaum ein Winkel, bzw. nur ein stumpfer Winkel von der Hinterhalslinie zum Rücken zu sehen. Zum Kopf hin soll sich der Hals verjüngen mit einer gut ausgeschnittenen Kehle. Der Kopf ist im Profil gut gerundet von der Schnabelspitze bis zum Hinterkopf. Der Schnabel soll substanzvoll und stumpf, mit fast gleichstarken Hälften sein. Die Linie von der Kehle bis zur Schnabelspitze sollte gerade getragen werden. Hierfür ist zum einen die Haltung des Kopfes, aber auch der Schnabeleinbau von Bedeutung. In der Draufsicht soll der Kopf einen Keil bilden. Breit zwischen den Augen, mit deutlicher Verjüngung zum Schnabel hin ist das Ziel. Dazu ist auch ein nicht zu kurze, gut durchpuderte und straff anliegende Warze mit feinem Gewebe notwendig. Eine gewisse Scheitelhöhe, die Substanz über dem Auge, ist wichtig, damit der Kopf nicht zu flach wirkt. Eine mittlere Gesichtslänge ist anzustreben, weder zu kurz, noch zu lang. Die Augen müssen unbedingt frei liegen. Die Iriden sollen auch im oberen Bereich voll sichtbar sein. In diesem Punkt gibt es bereits Herausforderungen bei einigen Tieren. Der Augenfarbe ist mehr Beachtung zu schenken. Sie soll orangerot bis rot sein. Sehr oft sieht man einen hellen Ring um die Pupille oder zu dunkle, zu helle, braune oder gar grünliche Iriden.

Insgesamt kann man in den letzten Jahren eine deutliche Qualitätssteigerung beobachten, sowohl in den Körperproportionen als auch in den Kopfpunkten. Farbenschlagspezifisch gibt es dabei jedoch große Unterschiede.

 

Standardänderungen

Im April 2020 haben wir einige Standardänderungen beantragt, die genehmigt und im Juni 2022 veröffentlich wurden:

Textpassagen die entfallen erscheinen gestrichen, neu hinzukommende bzw. geänderte Textpassagen sind unterstrichen kenntlich gemacht!

 

Giant Homer   

Neues Musterbild                                                                                       

Rassemerkmale:

Augen: Augenrand schmal, glatt, je nach Farbenschlag hell bis dunkel, rötlich gestattet. Bei Weißen fleischfarben bis rötlich.

Farbenschläge:

…………... , Schwarz, Dun, Braun, Rot, Gelb, Dominant Rot, …………………

Grobe Fehler:

…………………………….. substanzarmer Schnabel; grobe Schnabelwarzen; starke Warzenbildung am Unterschnabel; Kehlwamme; ........

 

Anmerkungen zu den Änderungen

Bis zur Einführung des Europastandards sollte der weiße Farbenschlag einen hellen Augenrand haben. Im Europastandard wurde dann erstaunlicherweise ein rötlicher Augenrand bei den Weißen gefordert. Durch die Verpaarung mit den Schecken haben auch diese oft einen rötlichen Augenrand. Zudem ist die Bezeichnung, „je nach Farbenschlag hell bis dunkel“ wenig aussagekräftig. Da es auch bei anderen Rassen eine ähnliche Formulierung im Standard gibt, haben wir die Änderung beantragt, dass ein rötlicher Augenrand bei allen Farbenschlägen gestattet ist. Die Betonung liegt dabei auf „gestattet“. Dies soll keine Aufforderung darstellen, rötliche Augenränder auf breiter Basis zu züchten. Vielmehr soll dadurch eine Vereinfachung für die Züchter erreicht werden.

Die Warzenbildung am Unterschnabel ist schon lange ein Thema bei unseren Giants. Er soll möglichst warzenfrei sein. Nun wünschen wir uns einen substanzvollen Kopf mit einem starken Schnabel. Oft haben solche Tiere auch leichte Unterschnabelwarzen. Um diese Tiere nicht abstrafen zu müssen und etwas mehr Spielraum bei der Bewertung zu haben, wurde die Formulierung unter den groben Fehlern auf „starke Warzenbildung am Unterschnabel“ geändert.

Der braune Farbenschlag war schon immer Bestandteil der Farbenschlagpalette und wurde wohl bei der Erstellung des Europastandards „vergessen“, schließlich war der Rest der Braunreihe weiterhin Bestandteil der Farbenschlagsliste. Unserem Antrag, die Braunen wieder in den Standard aufzunehmen, wurde zugestimmt. Die Braunen können also ab sofort wieder in der allgemeinen Klasse als „braun“ ausgestellt werden. Die AOC-Klasse ist dafür nicht mehr erforderlich.

 

Neues Musterbild

Von der Idee ein neues Musterbild zu entwickeln bis zur Umsetzung sind nunmehr als drei Jahre vergangen. Unter der Federführung von Arndt haben wir von Januar 2019 bis April 2020 in Zusammenarbeit mit dem Maler Benedikt Stammler ein neues Bild entwickelt, welches wir zusammen mit den Standardänderungen bei der Europäischen Standardkommission für Tauben (ESKT) eingereicht haben. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an dich Arndt, für deine Arbeit und Mühen, die du bei der Entwicklung des Bildes hattest. Es war eine interessante, aber auch schwierige und manchmal nervenaufreibende Aufgabe alle Meinungen und Ideen unter einen Hut zu bekommen, die dann auch noch vom Maler umgesetzt werden sollten. Die Einreichung der Standardänderungen und des neuen Bildes war zuvor mit dem BZA und der ESKT abgesprochen. Nachdem wir das Bild eingereicht hatten, wurden wir jedoch informiert, dass bei allen Rassen, bei denen das standardbestimmende Land die ESKT ist, die Standardbilder nur von Jean-Louis Frindel gemalt werden. Bei allen Rassen ist das Herkunftsland standardbestimmend, wenn es Mitglied der EE ist. Bei den Giant Homern, die aus den USA stammen, ist daher die ESKT standardbestimmend. Nach einem ersten grafischen Entwurf (kein gemaltes Bild) in Anlehnung an das US-Bild, gaben wir unsere Stellungnahme dazu ab. Das erste gemalte Bild haben wir Mitte Juni 2022 mit der Bitte um Stellungnahme erhalten. Laut Information der ESKT wurde das Bild mit Vertretern des Herkunftslandes abgestimmt. Gleichzeitig wurde uns mitgeteilt, dass Änderungen nicht mehr möglich sind und das Bild Anfang Juli in Druck geht. Da wir doch einige Verbesserungsvorschläge hatten, haben wir diese auch bei der ESKT eingereicht. Nach einigem Hin und Her wurden unsere Änderungen innerhalb weniger Tage doch noch berücksichtigt und umgesetzt. Vielen Dank Alex, dass du die Kommunikation mit dem deutschen Mitglied der ESKT, Ronald Bube, übernommen und unsere Vorschläge und Wünsche eingebracht hast. Letztlich haben wir meiner Meinung nach ein attraktives Standardbild erhalten, welches auch viele Jahre Bestand haben kann. Natürlich gibt es immer Kleinigkeiten, die man anders darstellen kann und die dem persönlichen Geschmack eines jeden Einzelnen geschuldet sind. Dennoch können wir mit dem vorliegenden neuen Musterbild zufrieden sein.

 

Schecken

Im Zuge der Standardänderungen haben wir beantragt, dass die Schecken bei Ausstellungen ohne Angabe des Grundfarbenschlages gemeldet werden können. Als Beispiel dienen hier die Deutschen Schautauben und Niederländischen Schönheitsbrieftauben. Grund des Antrages war, unnötig viele Klassen (1,0 und 0,1; jung und alt) in den einzelnen Farbenschlägen der Schecken zu vermeiden und es den Züchtern zu erleichtern, sich an Meisterschaften zu beteiligen.

Hierzu haben wir bereits in 2021 die Information vom Bundeszucht- und Anerkennungsausschuss (BZA) erhalten, dass dies allein im Ermessen des Sondervereins liegt. Daher haben wir dies bereits bei der letzten HSS so gehandhabt. 

Alle Schecken werden also nunmehr unter der Bezeichnung „gescheckt“ zu Ausstellungen gemeldet. Der Grundfarbenschlag muss aber unbedingt einem anerkannten Farbenschlag entsprechen. Ist dies nicht der Fall, muss mit der Bewertungsnote n. a. (nicht anerkannt) gerechnet werden.

 

Änderung der AAB

Zur 185. Bundesversammlung des BDRG in Görlitz erfolgte der Beschluss zur Änderung der AAB VII. Bewertung von Rassegeflügel 6. Ausschlussfehler Absatz 2.b.

Dabei wurde die Anzahl der Handschwingen und Schwanzfedern geregelt, bzw. Abweichungen davon und die daraus resultierenden Bewertungsnoten festgelegt.

Der Beschluss erfolgte wie folgt:

Die Anzahl der Handschwingen ist grundlegend mit 10/10 festgelegt. Abweichungen im erlaubten Rahmen (9/9, 9/10, 10/11, 11/11) werden zukünftig rassespezifisch im Rassen- und Farbenschlagsverzeichnis definiert. Alle Abweichungen dazu erhalten max. die Bewertungsnote b90. Rassen von normaler Größe (Körper) müssen 10/10 geschwingt sein.

Weniger als 9 und mehr als 11 Handschwingen auf einer oder beiden Seiten sind Ausschlussfehler und erhalten die Bewertungsnote u0.

Weniger als 12 Schwanzfedern bei allen Rassen erhalten die Bewertungsnote g91, mehr als 12 Schwanzfedern erhalten die Bewertungsnote b90. (Ausnahme: Rassen bei denen eine höhere Schwanzfederzahl gefordert wird.)

Begründung: Der BZA sah es als unabdingbar an für alle Taubenrassen eine eindeutige Regelung zur Bewertung bezüglich der Handschwingenanzahl festzulegen. Hierzu wurden alle Sondervereine im Vorfeld befragt.

In dem erwähnten Rassen- und Farbenschlagverzeichnis sind die Giant Homer nicht aufgeführt. Das bedeutet für unsere Rasse, dass keine Abweichungen von 10/10 nach oben oder unten toleriert werden. Meiner Einschätzung nach dürften uns diese Beschlüsse keine Schwierigkeiten bereiten. Rassevertreter mit mehr als 12 Schwanzfedern habe ich selten gesehen, an über- oder unterschwingte Tiere kann ich mich nicht erinnern.

Bleibt zu hoffen, dass unsere Sonderschauen in der kommenden Ausstellungssaison wie geplant stattfinden können und wir wieder viele schöne Giant Homer betrachten dürfen.

 

Euer Tino Henkel

1. Zuchtwart