Zuchtwartbericht des SV der Giant Homer-Freunde Deutschland 2024/25
Zuchtwartbericht des SV der Giant Homer-Freunde Deutschland 2024/25
Liebe Zuchtfreunde,
in der vergangenen Ausstellungssaison konnten wir unsere Giant Homer wieder auf einigen Sonderschauen sowie der Hauptsonderschau bestaunen. Die erste Gelegenheit, den Nachwuchs des jüngsten Jahrgangs zu betrachten, bot sich anlässlich unserer Jungtierbesprechung am 14. September 2024. 98 Jungtiere fanden den Weg zum idyllisch gelegenen Schloss Kloddram, welches sich als Veranstaltungsort bewährt hat. Die Qualität war in den einzelnen Farbenschlägen sehr unterschiedlich. Die Jungtierbesprechung stellt keinen Maßstab für die Beurteilung des Zuchtstands dar. Sie dient vielmehr dem Gedankenaustausch und der Schulung des Auges bezüglich der Rassemerkmale und ist für unsere Sonderrichter und die Züchter gleichermaßen hilfreich.
Die besten Tiere wurden wie gewohnt mit Diplomen geehrt. Den Titel Jungtierchampion errangen Otto Reichert auf 1,0 Weiß und die ZG Patrick und Reinhard Römer auf 0,1 Blau-gehämmert. Die Vizechampions stellten Paul Römer auf 1,0 rezessiv Rot und Otto Reichert auf 0,1 Weiß.
Unsere Hauptsonderschau führten wir am 14. Und 15. Dezember 2024 in Brachstedt durch. Das Meldeergebnis von 350 Tieren stimmte uns sehr zufrieden.
Das größte Kontingent stellten die Blauen mit Binden. Die Qualität war sehr durchwachsen. Bei den Täubern standen einige sehr schöne Typen mit breiter und voller Brust und der gewünschten Körpertiefe. Zum Teil konnte die Körperverjüngung ausgeprägter sein. Oft wurde die Unterbrust gefüllter gewünscht. In Stand und Körperhaltung gab es kaum Probleme. Überzeugen konnten meist auch die gut gerundeten Kopfprofile. Etwas mehr Schnabelsubstanz wäre bei einigen von Vorteil gewesen. Zu achten ist auf eine glatte Warzenstruktur. Bei den Alttieren werden hier Zugeständnisse gemacht. Die Täubinnen konnten noch kürzer und tiefer im Körper sein. Die Schwanzhaltung sollte flacher sein. Neben sehr guten, substanzvollen Kopfprofilen waren auch solche mit wenig Substanz zusehen. Insgesamt fehlte etwas die Harmonie aller Rassemerkmale zueinander (V: ZG P. und R. Römer; hv: H. Radke, M. Sachse (2x), D. Weckwerth, ZG P. und R. Römer).
Hochwertig war die Kollektion der Blau-gehämmerten. Sie zeigten zum größten Teil den gewünschten kurzen und breiten Typ mit freiem Stand und Hals. Bei den Kopfprofilen gab es wenig zu kritisieren. Zu achten ist auf ein straffes Halsgefieder und gut gerundete Nackenabgänge. Die Augenfarbe konnte bei einigen intensiver gefärbt sein (V: ZG P. und R. Römer (3x), M. Trepte; hv: O. Hörl, ZG P. und R. Römer (2x)).
Analog zu den Blau-gehämmerten zeigten sich auch die Blau-Dunkelgehämmerten recht ausgeglichen. Ein Jungtäuber ist hier besonders hervorzuheben. Er zeigte sich sehr harmonisch in den Rassemerkmalen (V und hv: E. Badorrek).
Die Blaufahlen mit Binden und Mehllichten mit Binden zeigten sehr gute Körperverjüngung und keilige Körper. Auch im Halsaufbau konnten Sie gefallen. Sie sollten einen noch freieren Stand zeigen. Verbesserungswürdig sind auch die Kopfprofile, die bei guter Rundung noch mehr Schnabelsubstanz aufweisen können (hv: T. Henkel).
Die Farbenschläge Braunfahl mit Binden und Braunfahl-dunkelgehämmert zeigten bei einigen Rassevertretern bereits sehr gute Körperproportionen. Manche konnten noch etwas mehr Tiefe aufweisen und in der Hinterpartie abgestimmter sein. Die Hälse sollten breiter aufgesetzt sein. Recht harmonisch zeigten sie sich in den Kopfpunkten. Etwas mehr Schnabelstärke hätte einigen gut gestanden (hv: O. Reichert (2x), H.-M. Rickmann).
Licht und Schatten gab es bei den Schwarzen zu sehen. Bei einigen war die Keiligkeit im Körper sehr gut ausgeprägt mit breiter Brust und schmaler Schwanzpartie. Auch die Verjüngung des Körpers zählte oft zu den Vorzügen. Teilweise konnte der Stand etwas freier und die Länge der Hinterpartie abgestimmter sein. Ausreichend Schnabelsubstanz war bei den meisten vorhanden. Die Köpfe konnten in der Draufsicht noch keilförmiger erscheinen. Tiere mit mehr als 10 Handschwingen können kein sg erreichen (V und hv: ZG P. und R. Römer; hv: A. Hallasch).
Die Braunen haben sich gut entwickelt. Die Täuber können noch kompakter im Körper werden. Die Hälse mit breitem Aufsatz und guter Verjüngung sind schon gut vorhanden. Bei den Täubinnen wurden bereits feine Körperformen gezeigt. Massivere Schnäbel und mehr Fülle im Vorkopf wären wünschenswert.
Die rezessiv Roten überzeugten mit kräftigen und keiligen Körpern mit kompakten Hälsen und sehr guter Brustfülle. Die Kopfpunkte könnten noch substanzvoller und die Schnäbel stumpfer sein (V und hv: ZG P. und R. Römer). Die rezessiv Gelben waren recht lang und flach im Körper. Mehr Vorkopfwölbung und massiver im Schnabel waren weitere Wünsche.
Ausgeglichen waren die Kollektionen der Rotfahlen mit Binden, Rotfahl-gehämmerten und Rotfahl-dunkelgehämmerten. Sie sind kürzer und kompakter im Körper geworden mit sehr guter Körpertiefe und massiven Hälsen, die manchmal noch freier getragen werden durften. Verbesserungspotential besteht in den Kopfpunkten (2x hv: H. Badorrek).
Die Gelbfahlen mit Binden und Gelbfahl-gehämmerten konnten gefallen. Sie zeigten teilweise schon sehr ansprechende keilige Körper mit flach getragener Hinterpartie. Etwas kürzer in der Hinterpartie können sie noch werden. Mehr Unterbrustfülle und Körpertiefe wären von Vorteil. Die Kopfpunkte wirken teilweise noch etwas zart (hv: H. Badorrek).
Die Andalusierfarbigen und Hell-Andalusierfarbigen zeigten gute Körperverjüngung und keilige Körper. Die Hinterpartie konnte noch kürzer sein. Stand und Hals sollten freier erscheinen. Die Kopfprofile wurden ausgeglichener und keilförmiger in der Draufsicht gewünscht (hv: A. Hallasch).
Prima Rassevertreter waren in den Farbenschlägen Indigo mit Binden, Indigo-gehämmert und Indigo-dunkelgehämmert zu finden. In den Hauptrassemerkmalen wurden nur kleine Wünsche geäußert. Das Schenkelgefieder sollte anliegender sein. Herausragend präsentierte sich eine Alttäubin in Indigodunkelgehämmert mit besten Körperproportionen und Kopfpunkten (V: A. Hallasch; hv: A. Trepte, B. Ullrich).
Durchwachsen war die Qualität bei den Weißen. Neben herausragenden Rassevertretern fehlte einigen die kompakte, kurze Körperform mit breiter Brust und ausreichend Körpertiefe. Im Hals konnten sie noch breiter aufgesetzt sein und das Gefieder sollte straffer anliegend sein. Die Schnäbel waren meistens massiv und die Profile gut gerundet (V: T. Schulz, O. Reichert; hv: T. Schulz (2x)).
Bei den Getigerten gefiel ein Blautiger am besten, auch wenn es eigentlich ein gehämmerter Tiger war. Er überzeugte mit feinen Körperproportionen und harmonischen Kopfpunkten (hv: M. Pohl).
Die Blauschimmel konnten nicht überzeugen. Dünne Hälse, lockeres Schenkelgefieder und spitze Köpfe minderten die Punktzahl.
Die Vielfarbigen, Silbersprenkel, Kite und Agate Rot waren meist großrahmige Tiere. Sie müssen noch kürzer und keiliger im Körper und im Hals kompakter werden (hv auf Kite: O. Reichert).
Die Gescheckten haben noch Nachholbedarf in Körpertiefe und Körperverjüngung. Auch in den Kopfprofilen gibt es Verbesserungsbedarf. Mehr Schnabelsubstanz und gleichmäßigere Rundung im Vorkopf wären von Vorteil.
In der AOC-Klasse gefielen 2 Täuber in khakifahl mit Binden am besten (hv: O. Reichert).
Die Champion-Titel errangen E. Badorrek auf 1,0 jung Blau-dunkelgehämmert, ZG P. und R. Römer auf 1,0 alt Schwarz, T. Schulz auf 0,1 jung Weiß und A. Hallasch auf 0,1 alt Indigo-dunkelgehämmert. Letztere wurde von den anwesenden Ausstellern zur „Best in Show“ gewählt.
Zuchtpreise HSS Giant Homer 2024
Kategorie 1
1. ZG Patrick und Reinhard Römer 383 Punkte
2. Henry Radke 380 Punkte
3. Michael Sachse 377 Punkte
Kategorie 2
1. ZG Patrick und Reinhard Römer 384 Punkte
2. Eric Badorrek 380 Punkte
3. Michael Beuke 379 Punkte
Kategorie 3
1. Thomas Schulz 383 Punkte
2. ZG Patrick und Reinhard Römer 381 Punkte
3. Alexander Hallasch 380 Punkte
Kategorie 4
1. Henry Badorrek 383 Punkte
2. Otto Reichert 382 Punkte
3. Tino Henkel 379 Punkte
Sonderschauen führten wir in Sneek, Radeberg, Leipzig und Erfurt durch. Die Meldezahlen waren durchaus akzeptabel und auch in der Qualität hatten die ausgestellten Tiere einiges zu bieten.
Die größte Sonderschau fand zur VDT-Schau in Erfurt statt. Hier war auch die Qualitätsdichte am höchsten. Unter den Blauen mit Binden waren bei den Täubern feine kurze, keilige Tiere mit massivem Halsausbau zu finden. Im Schnabel konnten sie zum Teil noch substanzvoller sein und auch im Nackenabgang blieben Wünsche offen. Beeindruckend waren 2 Täubinnen, die sich während der gesamten Ausstellungsdauer super präsentierten mit freiem Stand und kurzer Hinterpartie. Sie waren im Gesamteindruck überaus harmonisch (V: H. Radke, M. Beuke (2x); hv: H. Radke, ZG P. und R. Römer (2x)). Die Kollektion der Blau-gehämmerten zeigte sich ebenso typvoll. Meist waren hier kurze, breite Typen mit massivem Halsaufbau und sehr guten Kopfpunkten zu sehen. Einige konnten noch freier im Stand und straffer im Halsgefieder sein (2xhv: ZG P. und R. Römer). Jeweils ein Tier in blaufahl und blaufahl-gehämmert waren für diese Farbenschläge ordentliche Rassevertreter. Die Braunfahlen überzeugten breiter Front, konnten aber im Abschluss noch kürzer erscheinen. Etwas mehr Substanz wünschte man sich in den Kopfpunkten. Die recht große Kollektion der Schwarzen zeigte sich ohne Mängel. Sie wurden mit breiter Brust und deutlicher Körperverjüngung gezeigt. Die Hinterpartie konnte zum Teil noch kürzer sein und die Halshaltung wurde vereinzelt freier gewünscht. Der Augenrand konnte noch besser abgedeckt und die Warzen besser durchpudert sein (V: ZG P. und R. Römer). Schöne Typen waren unter den rezessiv Roten zu finden. Sie sollten vor allem in den Kopfpunkten noch massiver sein (hv: ZG P. und R. Römer). Die rezessiv Gelben waren im Körper recht lang und es fehlte an Körpertiefe und -kürze. Mehr Schnabelsubstanz und besser gerundete Vorköpfe wurden gewünscht. Die Rotfahlen konnten noch kompakter im Körper und die Hälse sollten massiver im Aufsatz sein. Die Gelbfahlen haben sich gut entwickelt und zeigten sich recht ausgeglichen. Teileweise konnte die Hinterpartie noch abgestimmter sein. Die Köperformen zeigten sich deutlich verbessert. Massivere Schnäbel und noch besser gerundete Kopfprofile wären von Vorteil (V: B. Ullrich). Erstklassig war die Kollektion der andalusierfarbigen. Sie waren in der Spitze super kurz mit breiter Front und deutlicher Körperverjüngung. Die Keilförmigkeit des Körpers war aus jedem Blickwinkel gut zu erkennen. Zudem hatten sie breit aufgesetzte Hälse mit prima Verjüngung und gut gerundete Köpfe mit massivem Schnabel (V, hv: M. Sachse). Die Gescheckten sollten keiliger und tiefer im Körper sein. Verbesserungsbedarf gibt es auch in den Kopfpunkten. Ein weiteres Highlight war die Kollektion der Weißen. Hier stachen ein Jungtäuber und eine alte Täubin mit erstklassiger Präsentation heraus. Einige konnten in der Hinterpartie noch kürzer und straffer im Gefieder sein (2xV, hv: O. Reichert). Den Titel des Deutschen Meisters errangen: Michael Beuke (Blau mit Binden), ZG Römer (Blau-gehämmert, schwarz und rezessiv rot), Bernd Ullrich (gelbfahl), Michael Sachse (andalusierfarbig) und Otto Reichert (weiß).
Allgemein ist weiterhin auf eine kurze, keilförmige Körperform hinzuarbeiten. Diese sollte sowohl in der Draufsicht, als auch im Seitenbild deutlich erkennbar sein. Ein wesentliches Merkmal dazu ist die Körperverjüngung, die bei der Handbewertung deutlicher erkennbar sein sollte. Achten sollten wir auch auf die leicht abfallende Rückenlinie und eine ihr weitestgehend folgende Schwanzpartie, die leicht unter der Waagerechten getragen werden sollte. Der Schwanz darf auf keinen Fall stark angezogen werden. Dadurch wirkt auch die Rückenlinie hohlrund und die Keilförmigkeit geht im Seitenbild verloren. Der Stand sollte mittelhoch sein. Für diesen Eindruck muss das Schenkel- und Aftergefieder gut anliegend sein. Der Hals wird breit aufgesetzt mit Verjüngung zum Kopf hin gefordert. Die hintere Halslinie sollte ohne großen Winkel in den Rücken übergehen.
Der Kopf wird gut gerundet von der Schnabelspitze bis zum Hinterkopf gefordert, in der Draufsicht keilförmig ohne Kniff. Mehr Beachtung sollte auch wieder einem substanzvollen Schnabel mit gleichstarken Hälften geschenkt werden. Die Warze sollte V-förmig angelegt und gut durchpudert sein. Wichtig ist auch eine waagerechte Kopfhaltung. Bei aller Betrachtung der einzelnen Rassemerkmale steht bei der Beurteilung immer der Gesamteindruck an erster Stelle.
Zur Zuchtausschusssitzung in Meyenburg wurde der Wunsch geäußert, eine Übersicht für einzelne Farbenschläge zu erstellen, in der Zugeständnisse bei der Bewertung, vor allem in farblicher Hinsicht, aufgelistet werden. Diese findet ihr auch hier verlinkt. Ziel soll es sein, durch Toleranzen den Typ in den Vordergrund zu stellen und diesen zu verbessern. Die Aufstellung soll als Anhaltspunkt für Sonderrichter und Züchter dienen, um eventuelle Bedenken, besonders bei selteneren Farbenschlägen, in Bezug auf die Ausstellungsfähigkeit auszuräumen. Die Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll ständig ergänzt bzw. aktualisiert werden.
Euer Tino Henkel
1. Zuchtwart