Zuchtwartbericht des SV der Giant Homer-Freunde 2018/19
Zuchtwartbericht des SV der Giant Homer-Freunde 2018/19
Gliederung
- Einleitung
- Züchterisches
- Anerkennung neuer Farbenschläge
- Zuchtausschuss in Halle
- Europäischer Standard, Richtertätigkeit und Standardbild
- Zusammenfassung
1. Einleitung
Nachdem die letzte Jahresauswertung über die Entwicklung unserer Giant’s im letzten Jahr nur über unsere SV Homepage lesbar war, soll die diesjährige züchterische Zusammenfassung wieder in unserem SV-Journal erfolgen.
Apropos SV-Journal: Es ist scheinbar doch sehr beliebt, denn anders ist das allgemeine Verlangen nach dieser Jahreszusammenfassung unserer SV-Arbeit nicht zu erklären. Es ist natürlich in züchterischer Hinsicht für alle Züchter mehr oder weniger ein Leitfaden für die Zucht. Wo sind die Zuchtschwerpunkte, welche Fehler haben sich eingeschlichen und in welchem Umfang werden diese von den Sonderrichtern bemängelt. Auch SV-fremde Züchter, Allgemeinrichter oder anderweitig interessierte Züchter benutzen dieses Nachschlagewerk sehr gern. Die erfolgreichen und geehrten Zuchtfreunde werden hierin gewürdigt. Unser Journal hat keine Geheimnisse, jeder Interessierte kann sich hier über Wissenswertes informieren. Auch unsere Internetseite ist für jeden frei zugänglich.
Fakt ist allerdings auch, dass dieses Heft ein massives Arbeitspensum von den Mitwirkenden verlangt. Zig Stunden vergehen bis zur Fertigstellung. Es ist wirklich mehr als notwendig, dass diese Last auf mehrere Schultern gelegt wird. Für die meisten aktiven Zuchtfreunde steht neben Beruf, Familie, Haus und Hof sowie der Giant Homer-Zucht ganz einfach nur ein sehr begrenzter Zeitraum für zusätzliche Aktivitäten zur Verfügung. Dennoch haben wir uns entschlossen diese SV-Chronik nach 2 Jahren Unterbrechung wieder aufleben zu lassen. Dafür möchte ich allen Mitwirkenden danken!
2. Züchterisches
Um es vorweg zu nehmen, grundsätzlich haben sich unsere Giants wieder ein Stück dem angestrebten Standardidealen genähert. Die Qualität in den einzelnen Farbenschlägen streut natürlich, besonders durch die sehr unterschiedliche Anzahl der Zuchten. Einige Farbenschläge haben einen gewaltigen Schritt gemacht, andere stagnieren, einige haben noch nicht wieder den Stand früherer Jahre erreicht. Dem unterschiedlichen Zuchtstand tragen unsere Sonderrichter Rechnung, indem sie die Tiere zuchtstandsbezogen bewerten. Dies schreiben im Übrigen auch die AAB vor, sodass entsprechend der gezeigten landesweiten Qualität der Farbenschläge bewertet wird. Man kann z. B. bei den gelben und roten derzeit nicht die Ansprüche wie bei den blauen Farbenschlägen stellen. Wir können froh sein, dass sich Züchter mit diesen Farbenschlägen beschäftigen und diese aus dem vermeintlichen Qualitätstal wieder zu alter Güte führen wollen. Geht man dort zu hart ins Gericht, werden die Farbenschläge von ambitionierten Züchtern schnell wieder fallengelassen und wir schneiden uns als SV ins eigene Fleisch. Wir können unsere Kinder leider nicht mit dem Bade ausschütten!
In den einzelnen Berichten der Sonderrichter wird an anderer Stelle nochmals detailliert auf die Qualität der gezeigten Tiere eingegangen, auch dafür ein großes Dankeschön! Zusammenfassend möchte ich hier einige Sätze verlieren. Die blauen mit schwarzen Binden haben sich sehr verbessert. Gemeinsam mit den gehämmerten Farbenschlägen der Blaureihe werden hier die kurzen keiligen Formen am besten gezeigt. Auch die Köpfe können sich sehen lassen. Die seltenen Farbenschläge haben besonders bezüglich der Kürze und der Rückendeckung, sprich Schwingenlage noch entscheidende Defizite. Die überbauten Augen, wo zum Teil das Oberlid bis zur Pupille reicht, wurden erfreulicherweise fast nicht mehr gezeigt. Aufgepasst werden muss unbedingt auf eine fest anliegende Feder im Schenkel- und Keilbereich, hier hat sich etwas eingeschlichen. Auch die Standhöhe bereitet einigen Tieren sichtbar Schwierigkeiten. Tiefstehende Tiere, dann noch mit dem erwähnten lockeren Schenkelgefieder, können trotz aller Vorzüge kein sg mehr bekommen. Die Schnabelsubstanz sollte besonders bei einigen Täubinnen massiver und stumpfer sein. Besonders der schwache Unterschnabel genügt oft nicht höheren Ansprüchen. Das Halsgefieder sollte vor allem bei den gelben glatter und anliegender sein. Der Nackenabgang bereitet noch einigen Tieren, farbenschlagübergreifend, Probleme. Die Neigung zum Hengstnacken ist ein grober Fehler. Zum sichtbaren Problem in jüngster Zeit sind die übergroßen Warzen geworden. Sie stören im Profil und bringen von oben gesehen den fehlerhaften Kniff. Auch der gewisse Adel des Giant-Kopfes geht dadurch zweifellos verloren. Hier werden wir in Zukunft härter bewerten müssen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Die keilige Halsführung mit der entsprechenden Länge hat sich verbessert und die Spitzentiere sind wahrlich Musterbilder. Eingezogene, kurze Hälse wirken plump, ein typischer Giant muss sich präsentieren. Mittelhoher, breiter Stand, keiliger Körper mit geschlossenem Rücken und keiligem mittellangen Hals sind Hauptrassemerkmale. In der Kürze und Körpertiefe sind wir einen großen Schritt vorwärtsgekommen. Allerdings steht uns bei den seltenen Farbenschlägen in diesem Punkt noch viel züchterische Arbeit bevor. Die Rücken und Schwänze sind hier einfach zu lang. Hingegen haben wir bei einigen Tieren in den blauen Farbenschlägen die Untergrenze in der Kürze erreicht. Ein wichtiger Punkt ist das gerundete (nicht kreisrunde) Kopfprofil mit den gleichstarken Schnabelhälften die das Kopfprofil im stumpfen (nicht spitzen) Schnabelschluss begrenzen. Gerade beim Schnabelschluss werden durch die Aussteller oft Punkte verschenkt. Zur Schauvorbereitung gehört einfach das leichte feilen der Schnabelspitzen. Schwammige und fette Tiere sind in den Käfigen verpönt und werden sehr zur Freude nur sehr selten gezeigt. Ein fest anliegendes Gesamtgefieder ist – um hohe Ehren zu erringen – ein Muss. Das bringt letztlich auch die gewisse Eleganz, die unsere Giants zweifellos verkörpern und irgendwie ist es auch ein Garant für Vitalität und Zuchtfreudigkeit. Und vor allem die letzten beiden Punkte dürfen wir bei aller Größe und Masse unserer Tiere nicht vernachlässigen.
3. Anerkennung neuer Farbenschläge
Nach langem Ringen konnten unsere vielfarbigen und silbergesprenkelten Giants nun erfolgreich den Anerkennungsmodus durchlaufen. Den Züchtern einen herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg. Zweifellos sind diese aparten Farbenschläge eine Bereicherung und verlangen durch ihre besondere Genetik züchterisches Feingefühl und Ausdauer. Die reinerbigen Andalusier haben den Schritt von der Sichtung zur Vorstellung erfolgreich gemeistert. Es gilt nun natürlich Züchter zu finden, die sich diesen Farbenschlägen weiter widmen. Denn sind wir mal ehrlich: Wir haben nun über 50 anerkannte Farbenschläge. Gezeigt wurden davon zur HSS nur die Hälfte und teilweise nur wenige Tiere. Wann hatten wir zur HSS- + VDT-Schau keine roten stehen? Unsere alten und viele der anerkannten Farbenschläge suchen händeringend nach Züchtern. Ich denke da z. B. an die mehllichten oder die blauen ohne Binden. Diese wieder zu erzüchten wäre genauso reizvoll wie notwendig und ebenfalls aller Ehren wert. Auch hier kann man sich ein züchterisches Denkmal setzen. Wenn ich dann hör die schwarzsprenkel sollen anerkannt werden und der Züchter sagt schon jetzt, dass er Sie nicht weiterzüchten werde, verschlägt es mir die Sprache. Wir sollten uns vielmehr gezielt Gedanken machen, wie wir uns intensiv um unsere „Raritätenfarbenschläge“ kümmern wollen. Wir haben zwar bereits unsere Förderpreise, aber in der nächsten Zuchtausschusssitzung sollten wir dieses Thema aufgreifen.
4. Zuchtausschuss in Halle
Eine Tagung des Zuchtausschusses fand im Rahmen unserer HSS am Sonntagmorgen in Halle statt. Leider kamen die angekündigten Zuchtfreunde aus Tschechien nicht zu unserer HSS. Besonders die Durchführung einer gemeinsamen europäischen Sonderschau 2020/21 sollte hierbei besprochen werden, Straßkirchen hat sich z. B. hierfür beworben. Auch unser Zuchtfreund Mayerhofer will sich kundig machen, ob evtl. Pfarrkirchen eine Möglichkeit wäre. Allerdings sind die von den tschechischen Freunden gewünschten 2,50 € Standgeld pro Tier in Deutschland nicht machbar. Bei uns werden laut AAB bis zu 50 Prozent vom Standgeld als Preise wieder ausgeschüttet. Auf 10 Tiere kommen 1 E und 2 Z zusätzlich zu den gestifteten Preisen. In den Niederlanden und sicher auch in Tschechien ist das nicht so, hier kommen nur die gestifteten Preise zur Vergabe. Die Kosten der Preisrichter, Futter, Reinigung, Strom, Hallenmiete usw. sind gleichfalls zu berücksichtigen. Ergo kann man für 2,50 € Standgeld wohl keine europäische Schau in Deutschland durchführen. Übrigens hat Straßkirchen bereits mehrere Europaschauen nach den deutschen Rahmenbedingungen erfolgreich durchgeführt.
Ebenfalls wurde über die Zuchtschwerpunkte und das Thema Standardbild diskutiert. Allgemein wurde festgestellt, dass die „Richterei“ bzw. die Zuchtziele länderübergreifend weitgehend einheitlich sind. Ausführlich wird in verschiedenen Punkten des Berichtes darauf eingegangen.
5. Europäischer Standard, Richtertätigkeit und Standardbild
5.1 Europäischer Standard
Eine erneute Standardänderung ist eigentlich nicht nötig. Der ist innerhalb der EE erarbeitet worden. Er lehnt sich an den amerikanischen Standard an. Die amerikanische Standardbeschreibung ist allerdings weit ausführlicher beschrieben und die Erläuterung der Farbenschläge nimmt dort einen breiten Raum ein. Wenn diese breite Beschreibung bei jeder anerkannten Rasse für den EE übernommen würde, hätten wir 3 Bände für den Rassetaubenstandard. Allerdings ist – auch durch das neue amerikanische Standardbild – eine dringende Neufassung des Standardbildes notwendig, worauf noch detailliert eingegangen wird.
5.2 Richtertätigkeit
Laut unserem EE-Standard ist eine Punktbewertung nach amerikanischem Vorbild nicht möglich. Wenn z. B. 3 Punkte auf die Augenfarbe vergeben werden und das Tier hat grüne oder zweierlei Augen, könnte es theoretisch mit 97 Punkten noch V bekommen. Das ist aber ein Ausschlussfehler und somit mit „u“ zu bewerten. Und derer Beispiele gibt es viele. Ich denke da z. B. an einen schiefen Schwanz, krumme Zehen, Spaltfedern usw. Auch übergroße Warzenbildung bringt kaum Abzüge innerhalb des Kopfes. Da schleichen sich Fehler ein, die dann sehr schwer wieder zu beseitigen sind. Wir in Deutschland sagen dann halt, aufpassen und es gibt kein sg für das Tier mehr. Prompt wissen die Züchter Bescheid und diesem Fehler wird Einhalt geboten, bevor er sich hartnäckig einschleicht. Als Beispiel kann man die überbauten Augen nennen. Sie wurden konsequent abgestraft und ruck-zuck hatten wir das wieder im Griff. Bei uns kommen die Tiere mit Ausschlussfehlern ganz einfach in den Notenkeller und sollten nicht zur Zucht verwendet werden. Das hat sich in über 100 Jahren Preisrichterarbeit in Deutschland bewährt und dieser Bewertungsmodus wurde letztendlich auch in die EE übernommen. Und gilt somit für alle Mitgliedsstaaten.
Seht euch die internationalen Spitzentiere auf Bildern an. Im Prinzip richten wir doch schon lange nach einem einheitlichen Typ. Wir haben super Formen erreicht und in den Köpfen sind wir führend. Einzig und allein das Standardbild ist überholt, das stimmt. Aber das muss innerhalb der EE geändert werden. Sicher ist das amerikanische Musterbild die Richtschnur, das war es auch bei der Anerkennung. Der Typ hat sich aber weltweit gewaltig geändert. Die Tiere sind kürzer geworden und die Brust, Keiligkeit und Körpertiefe haben mächtig zugelegt. Auch die Köpfe, einschließlich Schnabelsubstanz, Profil und Kopfbreite haben sich enorm verbessert. Allerdings müssen wir auf eingezogene Hälse, lockeres Nackengefieder, tiefen Stand, lockeres Schenkelgefieder, eine ordentliche Rückendeckung, sprich Schwingenlage und grobe Warzen aufpassen. Was übrigens auch im amerikanischen Musterbild richtig dargestellt ist. Allerdings erscheint dort der Nackenabgang nicht besonders gelungen, aber darüber kann man reden. Was die Vereinstätigkeit in den einzelnen Ländern angeht, hat man den Eindruck, dass es in vielen Ländern mehrere Vereine mit verschiedenen Strömungen gibt. Von Rumänien, Ungarn und leider auch Deutschland ist es ja bekannt…und nicht unbedingt zuchtförderlich für die Rasse und die Züchter. Dies ist aber nicht nur ein Problem unserer Rasse, denn viele Rassen haben dieselben Schwierigkeiten. Das Ziel sollte dennoch eine Einheitlichkeit im Zuchtziel sein. Und genau deshalb sind die europäischen Dachverbände der Mitgliedsländer im EE zusammengeschlossen.
5.3 Standardbild
Fakt ist: In der EE arbeitet eine europäische Standardkommission, die international zusammengesetzt ist, wodurch jedes Land seine Interessen einbringt.Dass das derzeitige Bild im EE-Standard mittlerweile überholt ist steht außer Frage. Verschiedentlich kam nun der Vorschlag, wir als deutscher SV sollten ein neues Musterbild malen lassen. Hier gebe ich aber zu bedenken, dass wir nicht als Vorreiter die Richtung vorgeben wollen. Es heißt dann vielleicht, wir kochen unseren eigenen Brei und sind die Prügelknaben. Das stimmt jedoch nicht, wie die Spitzentiere unserer HSS beweisen und unsere ausländischen Zuchtfreunde auch bestätigend anerkennen. Wir haben in den letzten 15 Jahren, auch durch eine einheitliche und umsichtige Bewertungsarbeit unserer Sonderrichter, sehr viel in Richtung europäischer Harmonisierung erreicht. Ich kann mich nur wiederholen, schaut Euch die Entwicklung der Spitzentiere in dieser Zeit an. Die deutschen Giant Homer brauchen sich dabei sicher nicht zu verstecken.
Daher mein Vorschlag: Wir geben der EE-Standardkommission – die für außereuropäische Rassen zuständig ist – den Hinweis, dass das Giant Homer-Standardbild mittlerweile überholt ist und das derzeitige Musterbild europaweit von den nationalen Verbänden mehr oder weniger flächendeckend abgelehnt wird. Die entsendeten Vertreter sollen dieses Thema daher doch bitte auf einer Ihrer nächsten Zusammenkünfte auf die Tagesordnung setzen und dann gemeinsam der Entwicklung Rechnung tragend, sich über ein neues Standardbild einigen. Das amerikanische Bild gibt dabei die Richtung vor, ungeachtet dessen werden wir aber als SV unseren Beitrag leisten und einen Vorschlag bezüglich des EE-Standardbildes einbringen. Auch aufgrund der Tatsache, wie Alex richtig feststellt hat, dass sicher ein Copyright auf dem amerikanischen Musterbild liegt, wäre das ein loyaler Weg. Wir werden also einen Vorschlag einbringen. Die anderen Verbände sind jedoch genauso in der Pflicht und die EE-Standardkommission soll letztendlich im länderübergreifenden Gremium darüber entscheiden und einen gemeinsamen einheitlichen Weg, sprich ein Musterbild, verabschieden.
Arndt Trepte